Weit vor den Dinosauriern – Wettbewerb um „ältesten Wald der Welt“
Nicht nur aus England wird eine „Sensation“ vermeldet: auch in der Nähe von Köln wollen Forscher:innen Hinweise auf den ältesten Wald der Erde gefunden haben. Als die Welt noch voll war mit Farnen.
Es sei eine „Sensation“, schreibt der WDR: In der westfälischen Stadt Lindlar haben Forscher:innen, bereits im Jahre 2008, den ältesten Wald der Welt nachweisen können. Also dort, in der Nähe von Köln, habe es diesen vor 390 Millionen Jahren gegeben. Weil ein Museum die Funde nun ausstellt, wird in der Presse darüber berichtet.
Natürlich gibt es andere Funde, aus den USA zum Beispiel, oder von der Südküste Englands, die den ältesten Wald dort belegt haben wollen. Wir sprechen von einer Zeit vor rund 390 Millionen Jahren, also noch vor den Dinosauriern. Der Wald damals bestand aus Vorläufern von Farnen.
Bereits im März dieses Jahres wurde der gleiche „Sensationsfund“ aus England gemeldet: Professor Neil Davis von der Universität Cambridge will in der heutigen Grafschaft Sussex Fossilien entdeckt haben, die auf den vermeintlich ältesten Wald der Erde hinweisen. „Es muss wie ein Palmenhain ausgesehen haben“, berichtet die Wissenschaftszeitung „Spektrum“. Es seien aber keine Palmen, sondern Farne gewesen. Die neuen Funde seien vier Millionen Jahre älter als der bisherige Rekordhalter für den Preis des ältesten Waldes in den USA, Bundestaat New York.
Vor Jahrmillionen war die ganze Erde ein einziger Wald und die Kontinentalplatten waren noch zusammen. Daher erstaunt es nicht, das man in Deutschland mit einem „Sensationsfund“ nachzieht.
Die in Lindlar gefundenen Fossilien stammen, ebenso wie die in England, aus dem Erdzeitalter Devon, berichtet die Zeitschrift „Archäologie im Rheinland“, herausgegeben vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und dem Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln. Daraus ließen sich unter anderem Calamophyton-Pflanzen rekonstruieren. Die Pflanzen sollen eine Wuchshöhe von zwei bis drei Metern gehabt haben und gelten als die ältesten baumförmigen Gewächse. Der Geologe Peter Giesen aus Wuppertal hat den Sensationsfund freigelegt.
Ein Wald, wie man ihn sich heute nicht mehr vorstellen kann. Das größte Fossil der Funde aus dem „wohl ältesten Wald“ kann im Grauwackenmuseum in Lindlar kostenfrei angeschaut werden, der Ort wirbt bereits kräftig damit und möchte Tourist:innen anlocken. Dort, wo dieser Wald einst wuchs, ist heute ein bereits stillgelegter Steinbruch. Die Forscher:innen wollen rekonstruiert haben, dass der Wald vor fast 400 Millionen Jahren irgendwann durch einen Tsunami oder eine Überflutung zerstört und zur heutigen Fundstelle verfrachtet worden ist.
Auf die Idee, im Rheinland oder in England vielleicht wieder Urwälder anzupflanzen und wachsen zu lassen, kommt zunächst niemand. Der Wettbewerb um den ältesten Wald der Welt ist gut für die Wissenschaft und die Tourismusbranche. Erkenntnisse, dass die Welt dem Wald gehört, werden daraus zunächst nicht gezogen. Umso wichtiger ist es, dass endlich wieder Urwälder entstehen und demensprechende Flächen ausgewiesen werden.




