Jede:r darf einfach so im Wald rumballern. Warum gibt es keine Ethik-Prüfung für Jäger:innen? 

Besonders junge Waldbesitzer:innen schießen in ihrem Wald schon mal wild durch die Gegend, spielen Krieg, fühlen sich stark. Tiere werden zum Spielball sadistischer Methoden, auch Wölfe werden geschossen. Wer schwere Waffen tragen darf, wird nicht auf eine psychische Eignung geprüft. 

Der Wolf ist kein gerngesehener Gast. Weder bei einigen Tieren, die er jagt, noch bei den meisten Waldbesitzer:innen. Angeblich gibt es ihn ja ohnehin kaum noch „den Wolf“ in Deutschland. Trotzdem wurde ein neues Gesetz erlassen, dass den Abschuss erleichtern soll. Aber nicht nur bei „Eigentümer:innen“ von Weidevieh wird der Wolf als Feind gesehen, sondern auch bei Menschen, die Wald „besitzen“. 

Ein ehemaliger Förster hat am Stammtisch mal genau hingehört und berichtet, dass manche seiner Kolleg:inn erzählen, einen Wolf erlegt zu haben. Einfach so, ohne dass dieser eine Gefahr für etwas dargestellt habe. Wir stellen uns angetrunkene Männer in grünen Jacken vor an einem festen Holztisch. Einer von ihnen imitiert ein Gewehr und macht dazu Schusslaute. „Peng, peng“, so habe er den Wolf abgeknallt. Es scheint ihm ein Gefühl von Macht verliehen zu haben. Vielleicht stimmt das gar nicht und der Förster will nur angeben. 

Aber schon stimmt ein anderer mit ein, er habe zwar noch nie einen Wolf geschossen, aber als er das Gebiet seines Vaters in Niedersachsen übernommen habe, sei dort ein Grab voll mit erlegten Wölfen gewesen. 

Danach wird die Diskussion „fachlich“. Pächter:innen von Wald zahlen viel Geld für das Revier und da ist der Wolf natürlich ein Konkurrent. Was er erbeutet, können sie nicht mehr abschießen. Schließlich wollen viele die Pacht durch den Verkauf von Rehfleisch wieder reinbekommen. „Einen Wolf kann ich bei mir nicht gebrauchen“, sagt jemand. Prost. Alle stoßen an. 

Besonders bei Jungpächter:innen ist es en vogue, mit Pick-Up-Trucks durch den Wald zu brettern und herumzuballern. Es gibt natürlich viele andere Jäger:innen die das nicht gerne sehen. Trotzdem wird oftmals geschossen, gegen Bäume, auf Dosen, in die Luft. Zur Übung, natürlich. Und dann auch auf Tiere. Viele junge Jäger:innen ballern auf alles, was ihnen vor die Flinte kommt. Sollten sie eine Ricke treffen, führt das dazu, dass auch die Jungtiere sterben. Aber manche schießen auch direkt auf diese. Dazu eine Flasche Jägermeister oder auch mal ein Gin Tonic. Schießen zum Vergnügen. Es ist dokumentiert in internen Foren und durch Erzählungen anderer Förster:innen. „Ich habe solche Leute kennengelernt, die machen das nur zum Ballern, wollen Krieg spielen oder sonst was. Ballern einfach rum im Wald, weil er ja angeblich ihnen gehört“, erzählt ein Forstamtsmitarbeiter, der anonym bleiben will. 

So etwas wie eine Ethik-Prüfung für Jäger:innen gibt es nicht. Jede:r kann einen Waffenschein machen. Nach psychischer Eignung wird nicht getestet. Menschen mit Wahrnehmungstörungen, Mordgelüsten, psychischen Erkrankungen, Depressionen oder Wut können einen Jagdschein machen, wie andere eine Angelscheinprüfung absolvieren. Ethik-Prüfungen für Menschen, die Waffen tragen dürfen, wird von vielen Organisationen gefordert, für Polizist:innen zum Beispiel. Für Jäger:innen noch wenig bis gar nicht, dabei tragen auch diese scharfe Waffen mit sich herum. Die ordnungsgemäße Aufbewahrung im abgeschlossenen Waffenschrank wird nicht überprüft. 

„Jeder Mensch hat das Recht, Jäger zu werden“, sagt unser Forstamtsmitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Es wird nach gesundheitlicher Fähigkeit gefragt, auch nach Drogenproblemen. Aber bei der Prüfung muss man bei dieser Frage lediglich ein Kreuz machen, niemand verlangt ein Gutachten. Gelegentlich wird das polizeiliche Führungszeugnis eingeholt. „Sollten da Kleinigkeiten draufstehen, wird das dann aber auch nur kritisch gesehen und ist noch kein Grund, den Jagdschein abzulehnen“, sagt der Mitarbeiter. Das Waffenrecht sei schon streng, aber es gelte immer die Unschuldsvermutung. 

Einfache Leute bekommen schwere Waffen in die Hand gedrückt. Auf der Straße darf auch niemand Waffen tragen, aber im Wald schon? Wie viele Tiere leiden unter sadistischen Jägern, die einfach nur mal Tiere totschießen wollen?  

Wie wäre es mit einem Grundkurs Ethik, bevor Menschen eine Waffe in die Hand bekommen, um damit Tierleben mit einem Fingerzug auszulöschen? Der Green Forest Fund ist generell gegen die Jagd, weil sich der Mensch niemals über das Tier erheben sollte. Aber wenn schon Jagd, dann bitte mit Ethik-Kurs! 

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