„Denn auch Ihnen gehört dieser Planet.“

Interview mit Thorsten Walter, dem Initiator von Green Forest Fund.

Herr Walter, Sie haben Green Forest Fund gegründet. Warum?

Thorsten Walter: Ich bin eigentlich Banker, mit bankbetriebswirtschaftlichem Studium und mehrjähriger Berufserfahrung bei einer großen Unternehmensberatung sowie verschiedenen Kreditinstituten. Aber irgendwann fehlte mir der nachhaltige Sinn meines Tuns, und ich habe mich gefragt: Was habe ich wirklich Bleibendes für das Große und Ganze geschaffen? Mir war und ist es wichtig, etwas Nachhaltiges im Leben zu hinterlassen.“

Die Frage lautet also: Wie sollen wir leben, damit wir gut leben?

Thorsten Walter: Genau. Die Antwort lautet: mit der Natur, statt gegen sie. Das klingt einfacher, als es ist. Wie das möglich ist, darüber habe ich mir auf langen Waldspaziergängen mit meinem Hund Eddie, Edward of Black Pearl, Gedanken gemacht. Was ist der Sinn des Daseins? Ich habe festgestellt, dass wir schnell an unsere Grenzen stoßen, wenn wir nur an uns denken. Die Erkenntnis, dass wir Menschen im Einklang mit der Natur und den Tieren leben müssen, um auf diesem Planeten überleben zu können.

Da die Natur und die Tiere allerdings nie nach Ihrer Meinung gefragt werden, sind wir in der Verantwortung uns für ihre Belange einzusetzen. Die Ureinwohner dieses Planeten haben mit der Natur gelebt. Wie jedes Raubtier, das nicht wahllos andere Tiere tötet, sondern nur tötet, um zu überleben. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die die Umwelt sowie Tiere ausbeutet und die Artenvielfalt zerstört. Es werden Tiger gezüchtet, aufgezogen und an Menschen gewöhnt, um sie von Großwildjägern töten zu lassen. Daher ist jeder positive Gedanke, jede tröstende Hand für ein misshandeltes Tier, jeder Schritt in eine emissionsfreie Zukunft und jeder Baum, der wächst, ein Schritt in die richtige Richtung. Hierfür möchte ich mich engagieren.

Ich will den Hilflosen unseres Systems, denen ohne Lobby, der Ökologie, Artenvielfalt und den Tieren etwas zurückgeben. Denn auch ihnen gehört dieser Planet. Wie oft war ich mit Eddie im Wald unterwegs und machte mir Gedanken, was ich tun konnte. Wie konnte ich mein Wissen nutzen, um etwas Gutes zu tun? Dann kam mir irgendwann diese Idee.

Zum Green Forest Fund?

Thorsten Walter: Ja. Der Klimawandel ist die große Frage, vor der die Menschen in diesem Jahrhundert stehen. Jeder kann dazu beitragen, sie zu beantworten. Denn die Lösung liegt genau vor unserer Tür. Bäume verfügen über eine Methode zum Filtern von CO2, die seit Millionen Jahren erprobt ist. Das gibt uns mit dem Pflanzen eines Baumes die Chance, die Folgen des CO2-Ausstoßes zu reduzieren: Jeder Baum zählt!

Also ist die Antwort: mehr Wachstum …?

Thorsten Walter: Genau. Wachstum muss nicht immer wirtschaftlich sein. Mit dem Pflanzen und Pflegen von Bäumen können wir der Natur helfen, die drängendste Frage zu beantworten, die sich uns allen stellt. Aber der Wald lässt sich nicht nur auf eine Funktion reduzieren. Das ist auch etwas, was ich bei meinen Waldspaziergängen mit Eddie, meinem Head of Happiness, gelernt habe.

Eddie ist ein wundervoller, fröhlicher und inspirierender Labrador Retriever. Er erdet mich, zeigt mir, welche Dinge im Leben wirklich wichtig sind, dass man Freude und Erfüllung an so einfachen Dingen finden kann. Er lehrte mir – wenn man so will – das Leben. Eddie liebt den Wald wie sein eigenes Zuhause. Er ist auch mein Zuhause geworden, das ich bewahren möchte. Es zeigt auch, dass das Glück im Zusammenleben mit der Natur, in der Bewunderung und Achtung dieser liegt. Man sieht, was für ein Geschenk es ist, auf diesem Planeten zu sein. Ein Geschenk, das wir bewahren sollten. Es ist in unserer Verantwortung und die Pflicht jedes einzelnen.

Schon Matisse sagte: ‚Finde Freude im Himmel, in den Bäumen und Blumen. Es gibt für jeden Blumen, der sie nur sehen will.’ Diese Worte drücken etwas aus, was viel umfassender ist als der Begriff der Natur. Sie erinnern an die Gnade unserer Leben.

Was möchten Sie mit Green Forest Fund erreichen?

Thorsten Walter: Ich will meinen Enthusiasmus, meine Liebe zur Natur, mein nun sinnstiftendes Dasein mit anderen teilen, andere partizipieren lassen. We can change! Nehmen wir unser Schicksal in unsere eigene Hand. Die Politik handelt zu langsam, zu stark von Lobbygruppen gesteuert. Das sich auf Politik verlassen, sollten wir nicht riskieren. Wir können etwas ändern. Jeder einzelne. Warum noch warten? Legen wir los!

Wer, denken Sie, wird sich an der Initiative beteiligen?

Thorsten Walter: Ein Schmelztiegel aus Menschen, die hinter die Kulissen schauen. Menschen, die kreativ, naturaffin, reflexiv sind, die jung oder junggeblieben sind. Menschen, die sehen, was auf dem Spiel steht, die Verantwortung für sich und die nachfolgenden Generationen übernehmen wollen. Ich will niemandem verbiegen oder ihn dazu bringen, seinen Spaß aufzugeben. Veränderungen müssen aus der Person selbst kommen.

Was ist der besondere Ansatz von Green Forest Fund?

Unser Ansatz nutzt die uns zugewendeten Mittel, um die Flächen zu erwerben, auf denen wir die Bäume pflanzen. Im Baumpreis von 30 Euro sind ebenso die Pflanzung und Pflege der jungen Bäume enthalten. Außerdem finanzieren wir dadurch unsere Öffentlichkeitsarbeit. Durch den Grundstückserwerb können wir garantieren, dass die Bäume ohne forstwirtschaftliche Maßnahmen, ohne Einflussnahme durch Industrie und Politik, heranwachsen können. Das bedeutet, dass wir die Bäume nach 5-6 Jahren völlig alleine heranwachsen lassen. Die Bäume sollen sich ungestört entwickeln können. Auch eine Jagd der Wildtiere innerhalb unserer Flächen wird nicht geduldet.

Wie überzeugen Sie mögliche Mitstreiter von Ihrer Idee?

Die Leute spenden für eine großartige Idee. Für eine wachsende Bewegung, auf deren Reise uns hoffentlich viele begleiten werden. Wir pflanzen unsere Bäume in Deutschland. Jeder, der mitmacht, hat die Möglichkeit, „seinen“ Bäumen beim Wachsen zuzuschauen.

Wer unterstützt Sie bei Ihrem täglichen Engagement für Green Forest Fund?

Als Mitglied der ersten Stunde berät mich vor allem Susanna Sielicki-Walter, Diplom-Gesundheits-Ökonomin aus Heidelberg. Dann ist da noch Martin Schoberer, der uns von Beginn an im Bereich Grafikdesign und Art Direction unterstützt. Vor einigen Wochen traf ich eine Freundin aus meiner Kölner Studentenzeit wieder: Julia Münster aus Köln. Ihr Enthusiasmus für die Idee war direkt vorhanden und seither ist sie aktiver Teil unseres Teams. Als Diplom-Betriebswirtin mit jahrelanger Berufserfahrung bei einem DAX-Konzern unterstützt sie uns im Marketing.

Gibt es denn Personen, die Sie besonders inspiriert haben?

Ich bewundere Menschen, die selbstlos zum Erhalt der Natur und der Tiere beitragen. Ich denke dabei an den bereits verstorbenen Gründer von North Face – Douglas Tompkins. In den 90igern erwarb Tompkins in Chile rund 3.000 km2 Land, das sich vom Ozean über die Anden an der Grenze zu Argentinien hinzieht. Sein Ziel war es, ein zusammenhängendes Gebiet zu schaffen, in der Tiere und Ökologie geschützt sind. Mit einer Stiftung hat er zudem große Flächen des Pumalin Parks erworben. Insgesamt hat Tompkins etwa 10.000 km2 Land in Chile und Argentinien gekauft.

Ebenso bewundernswert finde ich Greg Carr, ein Mann aus Idaho, der im Silicon Valley zu einem reichen Mann wurde. 1998 zog er sich aus allen Managementfunktionen zurück und widmete sich der Förderung von Mensch und Natur. Im Nationalpark Gorongosa in Mosambik will er 40 Millionen Dollar in die nachhaltige Entwicklung der Dörfer sowie in die Wiederansiedlung von Nashörnern, Löwen und Flusspferden investieren.

Beide haben mich inspiriert und mir vor allem den Mut gegeben, die Idee von Green Forest Fund umzusetzen. Dies möchte ich mit anderen Menschen teilen. Wenn wir gemeinsam Veränderungen vorantreiben, dann gewinnen wir ebenso wie die Natur.